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„Man lernt nie aus“
Telgte/Einen. Kamakura – das ist ein kleines, aber ganz feines Dojo. Das finden nicht nur die Mitglieder des Telgter „Vereins“, so die wörtliche Übersetzung von Dojo. Das ist auch weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt. Denn das Dojo Kamakura mit Trainingsablegern in Einen, Handorf und Wolbeck kann jetzt mit Markus Boy einen weiteren Träger des zweiten Dans und mit Jörg Fichna gar einen Träger des dritten Dans vorweisen.
Neben dem Dojo-Leiter Reinhard Nawe, der als Träger des 6. Dans zu den höchstdekorierten deutschen Karatekas zählt, Alexander Henke und Sabrina Wedekind, die zuletzt den zweiten Dan ablegten, verstärken nun Boy und Fichna die „Crew der Meister“ im Dojo Kamakura. „Eine tolle Leistung“, freute sich Reinhard Nawe, der seine beiden langjährigen Schüler auf diese weiteren Prüfungen intensiv – und erfolgreich – vorbereitet hatte.
Der 30-jährige Techniker Markus Boy, der in Greven wohnt und den Nachwuchs in Einen unter dem Dach des SC Müssingen trainiert, und der 37-jährige Diplomdesigner Jörg Fichna aus Telgte sind keine Newcomer in der hiesigen Karateszene. Denn seit 15 Jahren ist Boy, gar knapp 20 Jahren Fichna der Kampfsportart im Telgter Dojo Kamakura verbunden. „Den ersten Dan, also den Schwarzgurt, schaffen noch etliche Prüflinge“, erklärte der Friesen-Abteilungsleiter Jörg Fichna. Alles, was aber darüber hinausgehe, bedürfe der noch intensiveren Vorbereitung, einer noch größeren Selbstdisziplin und vor allen Dingen jahrelanger Erfahrung. Nicht zu Unrecht habe der Verband SKID (Shotokan Karate International, Sektion Deutschland) festgeschrieben, dass der zweite Dan frühestens nach dem 30. Lebensjahr erworben werden kann. „In der Regel haben die Absolventen dieser Prüfung zwischen zehn und 20 Jahren mindestens zweimal wöchentlich trainiert“, so Boy.
Fichna fand als junger Mann 1989 zum Karate, weil er schnell feststellen musste, dass ihm Ball- und Mannschaftssportarten nicht liegen. „Es gab bei mir eine gewisse Sehnsucht nach einer Kampfsportart“, berichtete der 37-Jährige, der schließlich beim Dojo Kamakura seine sportliche Heimat fand. Nur wenig später kam Markus Boy zu den Friesen. „Ich hatte alles ausprobiert, Fußball, Handball, Basketball. Doch nirgends hat es mir so gut gefallen wir beim Karate“, erzählte der 30-Jährige. Vor allem die Gemeinschaft in der Trainingsgruppe und im Dojo habe ihn überzeugt.
Aller Erfahrungen zum Trotz waren Fichna und Boy vor der Prüfung durch den Bundestrainer Akio Nagai Shihan (8. Dan) „supernervös“, wie der Telgter berichtete. Nach einem dreitägigen Training mussten die beiden Friesen vor rund 200 Karatekas ihre Prüfungen ablegen. „Es gehört auch ein wenig Glück dazu, dass man aus den insgesamt 26 Kata die präsentieren darf, die man besonders gut kann“, meinte Fichna. Tatsächlich schaffte nur er unter fünf Bewerbern zum dritten Dan die Prüfung, alle weiteren Mitstreiter müssen sich erneut beweisen.
Auch wenn Fichna und Boy noch immer Schüler von Reinhard Nawe sind und sich auch als solche verstehen, sind sie dem „Lehrlings“-Stadium längst entwachsen. Beide zeichnen für eigene Trainingsgruppen verantwortlich, beide haben Verantwortung in der Abteilung und dem Dojo übernommen. „Irgendwann hat man gegenüber den weiteren Kyu-Graden eine Verpflichtung und Vorbildfunktion“, meint Fichna. Das sei gleichzeitig ein Muss, immer perfekter zu werden und sich glaubwürdig in den Techniken zu präsentieren. „Ein Karateka lernt nie aus“, ist deshalb eines der Maxime, dem sich die Mitglieder im Dojo Kamakura verschrieben haben.
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